Impfen - nur ein kleiner Piks?

Ein sehr interessanter Beitrag bei "Tiere suchen ein Zuhause":

Kaum ein anderes Thema ist unter Experten und Tierhaltern so umstritten wie das Thema "Impfen". Impfgegner werfen den Tierärzten Geldmacherei vor, und Impfbefürworter attestieren impfmüden Tierhaltern Verantwortungslosigkeit. Fakt ist: Der Markt boomt – vor allem Hundeimpfstoffe verkaufen sich gut. Laut dem Bundesverband für Tiergesundheit wurden in Deutschland im Jahr 2010 insgesamt rund 188 Millionen Euro für Tierimpfstoffe und Seren ausgegeben.

Der Markt boomt, und Hundeimpfstoffe verkaufen sich bestens.

Einigkeit herrscht lediglich über den Nutzen der Grundimmunisierung: Sie wird von Impfbefürwortern und Impfgegnern gleichermaßen für wichtig befunden. Nach der Geburt hat ein Welpe für rund sechs bis acht Wochen einen Schutz durch die Muttermilch. Danach ist er Viren, Keimen und Bakterien schutzlos ausgeliefert. An dieser Stelle helfen die Impfungen dem Tier, einen wirksamen Schutz gegen die Eindringlinge aufzubauen.

Die Grundimmunisierung ist der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Impfungen, die ein Haustier im Laufe seines Lebens laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission erhalten soll. Seit 2006 gibt es im Bundesverband Praktizierender Tierärzte eine Ständige Impfkommission, die Impfempfehlungen für Hunde, Katzen, Pferde, Kaninchen und Frettchen herausgibt. Demnach gelten alle Impfungen in den ersten beiden Jahren als Grundimmunisierung. Im Anschluss lautet die Empfehlung der Kommission für den Hund, Leptospirose jährlich auffrischen zu lassen und HCC, Parvovirose und Staupe ab dem zweiten Lebensjahr in einem dreijährigen Rhythmus zu impfen. Bei der Tollwutimpfung empfehlen die Experten, sich an die Packungsbeilage der jeweiligen Impfstoffe zu halten.

Immunisierungsdauer

Wie lange ein Impfstoff wirkt, ist unter Experten umstritten. In den USA wird zum Teil eine wesentlich längere Immunisierungsdauer angenommen als in Deutschland.

Die Impfstoffe unterscheiden sich in ihrer Immunisierungsdauer voneinander.

Wer mit seinem Tier reisen möchte, muss sich an die Impfrhythmen der hiesigen Impfstoffhersteller halten. Nur wenn eine gültige Tollwutimpfung im Heimtierpass steht, dürfen Tiere die Grenzen passieren. Seit der Änderung der Tollwutverordnung vom 20. Dezember 2005 gelten Hunde und Katzen nur dann als wirksam gegen Tollwut geschützt, wenn die Impfung "längstens um den Zeitraum zurückliegt, den der Impfstoffhersteller für eine Wiederholungsimpfung angibt". Eine jährliche Auffrischungsimpfung gegen Tollwut ist damit nicht mehr notwendig. Auf der Webseite des Paul-Ehrlich-Institutes sind die gängigen Impfstoffe aufgelistet. Demnach bieten die Stoffe in der Regel Schutz für drei, einige Präparate sogar für vier Jahre.

Wer mit seinem Tier reisen möchte, muss sich an die Impfrhythmen der hiesigen Impfstoffhersteller halten.

Wer muss geimpft werden?

Deutschland gilt offiziell seit April 2008 nach den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit als tollwutfrei. Seither wurden zwei Fälle von Tollwut bei Haustieren bekannt. In beiden Fällen stellten Veterinäre die Krankheit bei Hunden fest, die aus dem Ausland kamen. Eines der Tiere wurde illegal aus Bosnien eingeführt.

Tiermediziner befürworten regelmäßige Impfungen, um ein erneutes Aufflackern der Tollwut in Deutschland zu verhindern.

Müssen Hund und Katze bei uns trotzdem gegen Tollwut geschützt werden? Tiermediziner befürworten regelmäßige Impfungen, um ein erneutes Aufflackern der Tollwut zu verhindern. Mit der Öffnung der Grenzen nach Osten kamen auch Krankheiten wieder zurück, die bereits deutlich eingedämmt waren, so zum Beispiel die Staupe. Kritiker halten dagegen, die Impfungen seien reine Geldmacherei. Schließlich leuchte es nicht ein, wie sich eine Wohnungskatze fernab ihrer Artgenossen in einem tollwutfreien Land infizieren könne.

Nebenwirkungen

Jede Impfung ist ein medizinischer Eingriff – mit der Möglichkeit einer Komplikation oder Nebenwirkung. Eine mögliche, schwere Nebenwirkung bei Katzen ist das Injektionsstellen- oder Impfsarkom. Dabei bildet sich an der Einstichstelle ein bösartiger Bindegewebstumor – eine Komplikation, die tödlich enden kann.

Werden Tiere geimpft, können Nebenwirkungen auftreten. Manchmal bilden sich an der Einstichstelle bösartige Bindegewebstumore.

Um die Gefahr eines solchen Impfsarkoms einzudämmen, gibt es einige Empfehlungen der American Veterinary Medical Association:
Impfungen sollten nur nach den Empfehlungen der Impfstoffhersteller auf dem Beipackzettel durchgeführt werden.
Anhand der Lebensumstände soll der "Impfbedarf" eines Tieres individuell festgelegt werden (ein Freigänger hat mehr Möglichkeiten sich anzustecken, als eine Wohnungskatze).
Injektionen sollten nicht zwischen die Schulterblätter oder in den vorderen Brustwandbereich verabreicht werden (ein Tumor ist an dieser Stelle meist inoperabel), sondern in die seitliche Bauchdecke oder die Hintergliedmaße.
Unterschiedliche Impfstoffe sollten an verschiedene Stellen injiziert und Impflokalisationen anschließend im Impfpass dokumentiert werden.
Grundsätzlich sind subkutane Injektionen den Spritzen ins Muskelgewebe vorzuziehen, da Tumore unter der Haut rascher zu ertasten sind.
Impfungen, insbesondere die Grundimmunisierung im Welpenalter, können Tierleben retten. Sie sind deshalb unabdingbar. Informieren Sie sich aber, welche Impfungen wirklich notwendig sind und wie lange die jeweilige Immunisierung anhält – und lassen Sie Ihr Tier dann mit Augenmaß impfen. Denn letztlich trägt jeder Tierbesitzer selbst die Verantwortung. Sie allein entscheiden, wann, wie oft und gegen was Ihr Tier geimpft wird.

Buchtipp:

Monika Peichl
Haustiere impfen mit Verstand
Ein kritischer Ratgeber
Höpfinger, 2009
ISBN 9783981125948
Preis: 19,90 Euro


Druckbare Version